Steuerliche Herausforderungen bei der Einführung der E-Rechnung – So bereiten Sie sich vor

Steuerliche Herausforderungen bei der Einführung der E-Rechnung – So bereiten Sie sich vor

Die Digitalisierung schreitet in nahezu allen Wirtschaftsbereichen voran, und die verpflichtende Einführung der elektronischen Rechnungsstellung stellt eine bedeutende Veränderung für Unternehmen dar. Ab dem 1. Januar 2025 sind in Deutschland alle inländischen Unternehmen im B2B-Bereich dazu verpflichtet, elektronische Rechnungen auszustellen. Diese Maßnahme zur Rechnungspflicht soll nicht nur den Bürokratieabbau vorantreiben, sondern auch die Transparenz erhöhen und Steuerbetrug effektiver bekämpfen. Dennoch bringt die Umstellung auf die E-Rechnung zahlreiche steuerliche Herausforderungen mit sich, die Unternehmen frühzeitig in ihre Planungen einbeziehen sollten.

 

Umstellung der Rechnungsprozesse und technische Anforderungen

Ein zentrales Problem stellt die Umstellung bestehender Rechnungsprozesse dar. Während bislang die Zustimmung des Rechnungsempfängers zur elektronischen Rechnungsstellung erforderlich war, wird dies nun zur Regel. Die Unternehmen müssen ihre internen Abläufe entsprechend anpassen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Dies erfordert Investitionen in moderne Buchhaltungs- und ERP-Systeme, die das strukturierte elektronische Rechnungsformat unterstützen. Zudem müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Systeme den technischen Vorgaben entsprechen und mit den Formaten ZUGFeRD oder XRechnung kompatibel sind. Andernfalls drohen Komplikationen bei der Verarbeitung der Rechnungen und möglicherweise steuerliche Nachteile.

 

Übergangsregelungen und ihre Auswirkungen

Ein weiteres zentrales Thema sind die Übergangsregelungen, die bis zum 31. Dezember 2027 gelten. Während Unternehmen in den ersten Jahren noch unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin herkömmliche Rechnungen ausstellen dürfen, bleibt die Verpflichtung zum Empfang elektronischer Rechnungen bereits ab 2025 bestehen. Dies stellt insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen vor große Herausforderungen. Sie müssen ihre Systeme frühzeitig darauf ausrichten, elektronische Rechnungen nicht nur empfangen, sondern auch gesetzeskonform archivieren und verarbeiten zu können. Ohne geeignete technische Lösungen kann es zu Problemen bei der Nachvollziehbarkeit von Rechnungsdaten kommen, was das Risiko steuerlicher Nachteile erhöht. Die Einhaltung der Rechnungspflicht ist daher essenziell, um unerwünschte steuerliche Folgen zu vermeiden.

 

Vorsteuerabzug und steuerliche Risiken

Besonders kritisch ist die Frage des Vorsteuerabzugs im Zusammenhang mit der E-Rechnung. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben ist der Vorsteuerabzug nur möglich, wenn eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt, die den Anforderungen der §§ 14 und 14a UStG entspricht. Sollte ein Unternehmen eine nicht konforme Rechnung ausstellen oder empfangen, könnte dies zu steuerlichen Nachteilen führen. Zwar sieht der aktuelle Entwurf des BMF-Schreibens eine gewisse Nachsicht vor, sofern Unternehmen die Übergangsregelungen in Anspruch nehmen, dennoch bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen. Unternehmen sollten daher frühzeitig sicherstellen, dass sie alle relevanten Anforderungen an die Rechnungsstellung erfüllen, um steuerliche Risiken zu minimieren.

 

Organisatorische Herausforderungen für Unternehmen

Neben den technischen und steuerlichen Herausforderungen stellt auch die organisatorische Umstellung eine Hürde dar. Die Einführung der E-Rechnung erfordert Schulungen für Mitarbeiter, die an den neuen Rechnungsprozessen beteiligt sind. Fehlerhafte Rechnungsstellung oder eine nicht ordnungsgemäße Archivierung von Rechnungen können nicht nur finanzielle, sondern auch steuerrechtliche Konsequenzen haben. Es ist daher entscheidend, interne Richtlinien zu erarbeiten und sicherzustellen, dass alle Beteiligten mit den neuen Anforderungen vertraut sind. Zudem sollten Unternehmen ihre Steuerberater und Buchhaltungsdienstleister frühzeitig in den Umstellungsprozess einbinden, um sicherzustellen, dass alle steuerlichen Aspekte berücksichtigt werden.

 

Rechtliche Unsicherheiten und Konsequenzen

Eine weitere Unsicherheit besteht in Bezug auf die rechtlichen Konsequenzen für Unternehmen, die sich weigern oder nicht in der Lage sind, elektronische Rechnungen zu empfangen. Der Gesetzgeber sieht keine expliziten Erleichterungen für solche Fälle vor. Sollte ein Unternehmen aufgrund technischer oder organisatorischer Schwierigkeiten nicht in der Lage sein, eine E-Rechnung zu empfangen, könnte dies im schlimmsten Fall zum Verlust des Vorsteuerabzugs führen. Um solche Risiken zu vermeiden, sollten Unternehmen frühzeitig prüfen, ob ihre Systeme für den Empfang und die Verarbeitung elektronischer Rechnungen geeignet sind.

 

Fazit: Ein bedeutender Schritt mit Herausforderungen

Die verpflichtende Einführung der E-Rechnung stellt zweifellos einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und Transparenz im Steuerwesen dar. Dennoch bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Umstellung für Unternehmen tatsächlich als Vorteil erweist oder ob sie eher mit zusätzlichen bürokratischen und steuerlichen Belastungen verbunden ist. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Rechnungsprozesse schnell und effizient anzupassen. Hier könnten staatliche Fördermaßnahmen hilfreich sein, um die Implementierung der neuen Systeme finanziell abzufedern und Unternehmen bei der Umstellung zu unterstützen.

Über den Autor:

Thomas May

Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Fachberater für Restrukturierung und Unternehmensplanung (DStV e.V.)

Tel.: +49 7131 72409-0

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