Altersvorsorge 2026: Rürup-Rente, Riester-Rente und neue Vorsorge-Modelle im Vergleich

Altersvorsorge 2026: Rürup-Rente, Riester-Rente und neue Vorsorge-Modelle im Vergleich

Die private Altersvorsorge gewinnt angesichts des demografischen Wandels, steigender Lebenserwartung und wachsender Versorgungslücken zunehmend an Bedeutung. Besonders Selbstständige, Freiberufler und Gutverdiener stehen vor der Herausforderung, eigenverantwortlich Kapital für den Ruhestand aufzubauen. Doch auch Arbeitnehmer sollten sich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Im Mittelpunkt vieler Diskussionen stehen dabei die Rürup-Rente, die Riester-Rente sowie neue Modelle wie das geplante Altersvorsorgedepot ab 2027.

Die Steuerkanzlei HERRMANN + MAY TREUHAND erläutert, welche Formen der Altersvorsorge 2026 relevant sind, welche steuerlichen Vorteile bestehen und worauf Steuerpflichtige bei ihrer Vorsorgestrategie achten sollten.

Warum wird private Altersvorsorge immer wichtiger?

Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt zwar die wichtigste Säule der Altersvorsorge in Deutschland, doch sie allein reicht für viele Menschen künftig nicht mehr aus. Sinkende Rentenniveaus, unterbrochene Erwerbsbiografien und steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass zusätzliche Altersvorsorge unverzichtbar wird.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Säulen der Altersvorsorge:

Säule

Beispiele

Zielgruppe

Gesetzliche Altersvorsorge

Gesetzliche Rentenversicherung, Versorgungswerke, Beamtenversorgung

Arbeitnehmer, Beamte, bestimmte Selbstständige

Betriebliche Altersvorsorge

Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds

Arbeitnehmer

Private Altersvorsorge

Rürup-Rente, Riester-Rente, ETF-Depot, private Rentenversicherung

Alle Steuerpflichtigen

Vor allem die steuerlich geförderte Altersvorsorge spielt 2026 eine wichtige Rolle. Hier stehen insbesondere die Rürup-Rente und die Riester-Rente im Fokus.

Was ist die Rürup-Rente?

Die Rürup-Rente – auch Basisrente genannt – wurde speziell für Selbstständige, Freiberufler und Personen ohne gesetzliche Rentenversicherungspflicht entwickelt. Sie gehört steuerlich zur sogenannten ersten Schicht der Altersvorsorge und bietet erhebliche steuerliche Vorteile.

Das Grundprinzip der Rürup-Rente ist einfach: Beiträge werden während der Ansparphase steuerlich gefördert, während die spätere Rente im Alter versteuert wird. Man spricht von einer nachgelagerten Besteuerung.

Besonders attraktiv ist die Rürup-Rente für Personen mit hohem Einkommen und hoher Steuerlast. Im Jahr 2026 können Beiträge bis zu folgenden Höchstgrenzen vollständig als Sonderausgaben geltend gemacht werden:

Personengruppe

Maximal steuerlich absetzbarer Betrag 2026

Ledige

30.826 Euro

Verheiratete / Zusammenveranlagte

61.652 Euro

Gerade Selbstständige ohne gesetzliche Rentenansprüche profitieren erheblich von dieser steuerlichen Förderung. Wer beispielsweise 15.000 Euro jährlich in eine Rürup-Rente einzahlt und einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent unterliegt, kann seine Einkommensteuer um mehrere tausend Euro reduzieren.

Welche Vorteile bietet die Rürup-Rente?

Die Rürup-Rente bietet mehrere steuerliche und wirtschaftliche Vorteile. Besonders hervorzuheben ist die vollständige steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge im Jahr 2026. Hinzu kommen Pfändungs- und Insolvenzschutz sowie die lebenslange Rentenzahlung.

Darüber hinaus kann die Rürup-Rente mittlerweile flexibel gestaltet werden. Neben klassischen Versicherungsmodellen existieren fondsgebundene Varianten sowie ETF-basierte Lösungen mit höheren Renditechancen.

Vorteile der Rürup-Rente

Bedeutung

100 % Sonderausgabenabzug

Hohe Steuerersparnis

Lebenslange Rentenzahlung

Schutz vor Langlebigkeitsrisiken

Insolvenz- und Pfändungsschutz

Besonders relevant für Selbstständige

Fonds- und ETF-Lösungen möglich

Höhere Renditechancen

Flexible Beitragszahlungen

Anpassung an Einkommenssituation

Vor allem für Selbstständige mit stabilem Einkommen kann die Rürup-Rente ein zentraler Baustein der Altersvorsorge sein.

Welche Nachteile hat die Rürup-Rente?

Trotz der steuerlichen Vorteile ist die Rürup-Rente nicht für jeden geeignet. Der größte Kritikpunkt ist die eingeschränkte Flexibilität.

Das angesparte Kapital kann grundsätzlich nicht vorzeitig ausgezahlt werden. Eine Kündigung mit Rückzahlung des Vertragsguthabens ist gesetzlich ausgeschlossen. Zudem ist die Vererbbarkeit stark eingeschränkt.

Nachteile der Rürup-Rente

Auswirkungen

Keine Kapitalauszahlung

Kapital bleibt bis Rentenbeginn gebunden

Keine freie Vererbbarkeit

Hinterbliebene nur eingeschränkt abgesichert

Nachgelagerte Besteuerung

Rentenzahlungen steuerpflichtig

Teilweise hohe Produktkosten

Besonders bei älteren Verträgen relevant

Steuerpflichtige sollten deshalb prüfen, ob die langfristige Kapitalbindung zur persönlichen Lebensplanung passt.

Wie wird die Rürup-Rente im Alter besteuert?

Die steuerliche Förderung der Rürup-Rente erfolgt in der Ansparphase. Im Gegenzug unterliegt die spätere Rentenzahlung der Besteuerung.

Für Renteneintritte im Jahr 2026 beträgt der steuerpflichtige Anteil der Rente 84 Prozent. Der steuerfreie Anteil bleibt dauerhaft festgeschrieben.

Jahr des Rentenbeginns

Steuerpflichtiger Anteil

2024

83 %

2025

83,5 %

2026

84 %

2030

86 %

2058

100 %

Dennoch bleibt die Rürup-Rente häufig steuerlich attraktiv, da viele Rentner im Ruhestand einen niedrigeren persönlichen Steuersatz haben als während ihrer Erwerbstätigkeit.

Welche Rolle spielt die Riester-Rente heute noch?

Die Riester-Rente war über viele Jahre die wichtigste staatlich geförderte private Altersvorsorge für Arbeitnehmer und Familien. In der Praxis geriet sie jedoch zunehmend in die Kritik. Hauptgründe waren hohe Kosten, komplexe Vertragsstrukturen und vergleichsweise geringe Renditen.

Trotzdem kann die Riester-Rente weiterhin sinnvoll sein – insbesondere für Familien mit Kindern und Personen mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, die von staatlichen Zulagen profitieren.

Allerdings plant der Gesetzgeber ab 2027 eine grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge. Für Neuverträge soll die Riester-Rente weitgehend durch ein neues Altersvorsorgedepot ersetzt werden.

Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027

Das geplante Altersvorsorgedepot soll die private Altersvorsorge stärker kapitalmarktorientiert ausgestalten. Anders als bei der klassischen Riester-Rente sollen keine starren Beitragsgarantien mehr gelten.

Das Kapital soll überwiegend in ETFs und Fonds investiert werden, wodurch langfristig höhere Renditechancen entstehen. Gleichzeitig müssen Anleger stärkere Kursschwankungen akzeptieren.

Merkmal

Altersvorsorgedepot

Anlageform

ETFs und Fonds

Steuerliche Behandlung

Nachgelagerte Besteuerung

Förderung

Geplante staatliche Zuschüsse

Flexibilität

Höher als bei Riester

Renditechancen

Deutlich verbessert

Das Altersvorsorgedepot könnte insbesondere für jüngere Anleger und kapitalmarktorientierte Sparer attraktiv werden.

Welche Altersvorsorge ist 2026 sinnvoll?

Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Die optimale Altersvorsorge hängt immer von Einkommen, Steuerbelastung, Familienstand, Liquidität und Risikobereitschaft ab.

Für viele Selbstständige bleibt die Rürup-Rente aufgrund der erheblichen steuerlichen Vorteile ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge. Arbeitnehmer profitieren dagegen häufig stärker von betrieblicher Altersvorsorge oder ETF-basierten Lösungen.

In der Praxis zeigt sich zunehmend, dass eine Kombination verschiedener Vorsorgeformen sinnvoll ist. So kann beispielsweise eine Rürup-Rente die steueroptimierte Basis bilden, während ein ETF-Depot zusätzliche Flexibilität und Renditechancen ermöglicht.

Fazit: Altersvorsorge strategisch planen

Die Altersvorsorge sollte 2026 nicht isoliert betrachtet werden, sondern als langfristige Gesamtstrategie. Die Rürup-Rente bietet insbesondere für Selbstständige und Gutverdiener erhebliche steuerliche Vorteile und kann ein wirkungsvolles Instrument zur Vermögensbildung im Alter sein. Gleichzeitig müssen die eingeschränkte Flexibilität und die spätere Besteuerung berücksichtigt werden.

Die Riester-Rente verliert dagegen zunehmend an Bedeutung, während neue Modelle wie das Altersvorsorgedepot künftig stärker in den Fokus rücken dürften.

Aus steuerlicher Sicht empfiehlt sich eine individuelle Analyse der persönlichen Einkommens- und Vermögenssituation. Die Steuerkanzlei HERRMANN + MAY TREUHAND unterstützt Mandanten dabei, steuerliche Potenziale optimal zu nutzen und eine nachhaltige Strategie für die Altersvorsorge zu entwickeln.

Über den Autor:

Thomas May

Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Fachberater für Restrukturierung und Unternehmensplanung (DStV e.V.)

Tel.: +49 7131 72409-0

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